Eine nach den Prinzipien der Kompetenzorientierung gestaltete Aus- oder Weiterbildung zielt im Kern darauf ab, dass die TeilnehmerInnen Aufgabenstellungen im geschulten Fachbereich selbständig und in unterschiedlichen Kontexten bewältigen können (nähere Details finden Sie hier). Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und die damit untrennbar verbundene höhere Veränderungsgeschwindigkeit gewinnt gerade dieses Verständnis von beruflichem Können an Bedeutung.

Dazu kommt, dass – auch dies mit Blick auf die Zukunft der Arbeitswelt – soft skills wie Lern- und Veränderungsbereitschaft, (internationale) Kooperation, Bereitschaft und Fähigkeit zu Vernetzung und Innovationsorientierung von ArbeitgeberInnen immer stärker nachgefragt (und teilweise vermisst) werden. Die dem Ansatz der Kompetenzorientierung zugrunde liegende Einsicht, dass „Lernen nur die Person selbst kann“ und dass man/frau am besten und am nachhaltigsten lernt, wenn er/sie möglichst konkrete und vollständige Arbeitsaufgaben aus dem beruflichen Alltag bewältigt, „zwingt“ Schulungsorganisationen und TrainerInnen implizit dazu, Fach- und Sozialkompetenzen integrativ und ganz konkret an praktischen Aufgaben zu trainieren. Eine zukunftsfeste Aus- und Weiterbildung kommt daher aus unserer Sicht an Kompetenzorientierung nicht vorbei.

Aber es gibt noch viele weitere wesentliche Dimensionen, die für diese Ausrichtung sprechen:

Was bringt Kompetenzorientierung nun aus unserer Sicht ganz konkret für die TeilnehmerInnen?

Durch die Anbindung der Lerninhalte an reale berufliche oder lebensweltliche Situationen fällt das Lernen leichter. Dies vor allem weil:

  • die Lernenden verstehen, warum sie etwas lernen sollen und welchen Sinn es hat, sich gerade diese Kompetenzen zu erarbeiten.
  • es vielen Menschen leichter fällt, sich etwas zu merken, wenn sie auch eine praktische Vorstellung vom Lerngegenstand haben.
  • die laufende Auseinandersetzung mit den bereits erworbenen Kompetenzen Lernerfolge schnell verdeutlicht.
  • vorhandene Kompetenzen genauso dargestellt werden wie noch fehlende.
  • diese Form des Kompetenzerwerbs weniger nah an schulischen Lernsettings ist. Dies ist für bildungsbenachteiligte Personen wichtig, weil diese überdurchschnittlich oft gerade in schulischen Settings gescheitert sind.
  • diese Form des Kompetenzerwerbs schlicht erwachsenengerechter ist und die Lernmotivation positiv beeinflusst. Dies ist gerade auch mit Blick auf die demographischen Veränderungen von zentraler Bedeutung.

Kompetenzorientierte Schulungen bereiten TeilnehmerInnen darüber hinaus besser auf Bewerbungssituationen vor:

  • Die Verbindung von Eigen- und Fremdreflexion stärkt das Selbstbewusstsein der TeilnehmerInnen.
  • Die TeilnehmerInnen lernen in diesen Reflexionen, differenziert und kompetent über ihr Können und auch über die Grenzen ihrer Kompetenzen zu reden.
  • Die TeilnehmerInnen wissen, dass sie selbst für ihren Kompetenzerwerb verantwortlich sind und können sich als verantwortungsbewusste MitarbeiterInnen präsentieren.

Was haben öffentliche AuftraggeberInnen aus unserer Sicht davon, wenn sie kompetenzorientierte Erwachsenenbildung forcieren?

Mit kompetenzorientierten Schulungsangeboten wird der aktuelle bildungspolitische Entwicklungsstand vollzogen. Dass Kompetenzorientierung mittlerweile state of the art ist, manifestiert sich u.a.:

  • im schulischen Bereich (Stichworte kompetenzorientierte Lehrpläne, Bildungsstandards, standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung)
  • in der dualen Ausbildung (Stichworte: kompetenzorientierte Lehrberufsbilder, kompetenzorientierte Lehrpläne, kompetenzorientierte Lehrabschlussprüfungen)
  • in der österreichischen LLL-Strategie
  • im Europäischen wie im Nationalen Qualifikationsrahmen (EQR / NQR)
  • im European Credit Transfer System (ECTS) und im European Credit Transfer System for Vocationial Education and Training (ECVET).

Und schließlich – was glauben wir, haben Schulungsorganisationen davon, wenn sie auf kompetenzorientierte Erwachsenenbildung setzen?

Die Umstellung einer Schulungsorganisation auf Kompetenzorientierung ist herausfordernd und aufwändig und geht weit darüber hinaus, TrainerInnen in kompetenzorientierter Methodik und Didaktik zu schulen:

  • Zielkompetenzen, die für die TeilnehmerInnen wirklich orientierend sind und anhand derer sie selbst reflektieren können, ob sie bereits ausreichend kompetent sind, müssen formuliert werden.
  • Eine primär an Fächern orientierte Unterrichtsgestaltung muss einem an konkreten Arbeitsaufgaben orientierten und demnach interdisziplinär gestalteten Training weichen.
  • TrainerInnen müssen viel genauer beobachten, wieviel Input und Struktur gegeben werden muss, damit die TeilnehmerInnen an den gestellten Arbeitsaufträgen wachsen können und nicht einfach mit der Problemlösung überfordert sind. Und sie müssen auch noch sensibler darauf achten, wer in der Gesamtgruppe wo steht und wieviel an Unterstützung braucht.
  • Auch die Schulungsinfrastruktur braucht ein Refreshing – soll sie den TeilnehmerInnen doch einen inspirierenden Rahmen für das möglichst eigenständige Lernen bieten.

Diesem Aufwand steht ein umfassender Nutzen gegenüber. Dieser liegt insbesondere darin, dass Schulungsorganisationen

  • den Anschluss an den maßgeblichen bildungspolitischen Trend nicht verlieren.
  • sich als attraktiver Arbeitgeber für TrainerInnen, die sich am state of the art orientieren, positionieren können.
  • ihre TeilnehmerInnen besser erreichen und unterstützen können. Dies manifestiert sich in geringeren Dropout- und höheren Arbeitsaufnahmequoten.
  • besser und zukunftsorientierter auf die Bedarfe von Unternehmen eingehen können.

Definition Kompetenz

“Menschen verfügen im beruflichen Kontext über Kompetenzen, wenn sie:

  •  intellektuell verstehen, worum es im jeweiligen Fachbereich geht und die im jeweiligen Fachbereich üblichen
    Begriffe, Standards und Routinen kennen
  •  dieses Wissen auch praktisch in unterschiedlichen Situationen anwenden können
  • auf dieser Grundlage unterschiedliche Probleme des jeweiligen Fachbereichs lösen können
  • die dafür notwendige Motivation, Willenskraft sowie Zielorientierung aufbringen
  • dazu bereit und in der Lage sind, die notwendigen sozialen Abstimmungs- und Kommunikationsleistungen
    zu erbringen
  • all dies verantwortungsvoll realisieren.”

(Quelle: Weber, Hojnik (2016): Praxishandbuch, S. 21

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